Altersdiskriminierung vermeiden – Altersgrenze für staatlich anerkannte Bausachverständige zügig anheben!

Veröffentlicht: Mittwoch, 08. Juni 2016

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Papst Franziskus wurde im Alter von 76 Jahren zum Oberhaupt der Kirche gewählt, Konrad Adenauer war beim Amtsantritt 73 Jahre alt. Joachim Gauck war bei seiner Vereidigung als Bundespräsident bereits 72 Jahre alt, und Udo Lindenberg rockt mit 70 Jahren noch jede Bühne.

Ohne einen der eben Genannten miteinander zu vergleichen, möchte ich betonen: Alle sind bis heute fit, und alle leisten, jeder auf seine Art, sehr viel – trotz fortgeschrittenen Alters. Niemand darf aufgrund seines Alters benachteiligt werden. Das legt schon die Charta der Grundrechte der Europäischen Union fest. In Deutschland steht dieses Recht zwar nicht im Grundgesetz, aber das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz – AGG – nennt Alter neben ethnischer Herkunft, Geschlecht, Weltanschauung, Religion, Behinderung und sexueller Identität ausdrücklich als Merkmal, das nicht zur Diskriminierung führen darf.

Altersgrenzen scheinen heute nicht mehr zeitgemäß, ja geradezu diskriminierend. Die Altersgrenze von 68 Jahren für Bausachverständige erscheint auch nicht mehr zeitgemäß in einer Gesellschaft, in der individuelle Fähigkeiten mehr zählen als formale Kriterien.

Diese Altersgrenze ist mittlerweile selbst in die Jahre gekommen.

Worum geht es uns heute? – Es geht darum, die Altersgrenze für staatlich anerkannte Bausachverständige von 68 auf 70 Jahre moderat anzuheben. Damit würden wir schon heute dem hessischen Vorbild folgen. In der hessischen Bauordnung wird die Sicherheit größerer, öffentlich zugänglicher Gebäude durch anerkannte Sachverständige überprüft. Das gilt etwa für Hochhäuser, Krankhäuser, Schulen sowie für größere Veranstaltungshallen, Gaststätten, Geschäfte und Einkaufszentren. Die Anerkennung der hierfür zuständigen Prüfsachverständigen erlischt automatisch mit dem 70. Geburtstag.

Meine Damen und Herren, wir stehen dem sehr positiv gegenüber und freuen uns auf die weiteren Beratungen im Ausschuss. Das, was der Kollege Krick gerade hier angesprochen hat – er hat versucht, zu differenzieren –, sollte im Ausschuss eingehend thematisiert werden. Denn wir wissen, dass sehr viele Sachverständige, gerade wenn sie noch jünger sind, oft auf die Kenntnisse der Älteren Kollegen zurückgreifen, wenn es um die Beurteilung von Umbauten älterer Gebäude geht, die sie selbst aus ihrer eigenen Berufspraxis gar nicht mehr erlebt haben oder die Bauweise gar nicht mehr kennen.

Deshalb sprechen wir uns dafür aus, dass das Ganze hier noch einmal fachlich genau und sehr differenziert dargestellt wird, und dass wir damit erreichen, dass wir die Älteren nicht diskriminieren, es aber trotzdem schaffen, ihren besonderen Sachverstand mit einzubeziehen. Ich denke, das wäre ein guter Weg, den man hier gehen könnte.

Der Überweisung an den Ausschuss stimmen wir in Erwartung einer guten Diskussion daher gerne zu.